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„Biberacher sind Optimisten“

„Biberacher sind Optimisten“
Norbert Zeidler (Foto: Stadt Biberach)

Wandel und Weiterentwicklung gehören zu Biberach, sagt OB Zeidler in seinem Jahresrückblick fürs WOCHENBLATT. Sorgen macht ihm der Umgangston in der Gesellschaft.  

Herr Zeidler, wie hat sich die Stadt im abgelaufenen Jahr verändert? Was kam hinzu, was  fiel weg?    

Norbert Zeidler: Biberach ist eine unglaublich dynamische Stadt. Insofern gehören steter Wandel und Weiterentwicklung für uns zum Alltag. Eine nicht alltägliche Veränderung hat im Jahr 2019 die Kommunalwahl mit sich gebracht. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt haben einen neuen Gemeinderat gewählt, der sich in seiner Zusammensetzung doch recht deutlich vom bisherigen Rat unterscheidet. 

Worüber haben Sie sich im abgelaufenen Jahr in ihrer Funktion als OB am meisten gefreut? 

Ein echtes Highlight war für mich eine Radtour, die ich gemeinsam mit meinen beiden Bürgermeisterkollegen, einigen Gemeinderäten sowie mit Vertretern der Städte Partner Bibe-rach e.V. unternehmen konnte. Ziel war unsere Partnerstadt Asti im Piemont. Wir haben miteinander wunderbare Tage verbracht und auch sportlich eine echte Herausforderung gemeistert. 

Worüber haben Sie sich geärgert? 

Ärger und auch große Sorge bereitet mir momentan die Tatsache, dass der öffentliche Umgang mit politischen Amtsträgern immer unanständiger und auch brutaler wird. Keine Frage: Wer politische Verantwortung übernimmt, der muss Kritik ertragen können – auch wenn sie sehr deutlich und mitunter vielleicht polemisch zugespitzt formuliert ist. Nicht im Rahmen des Tolerablen sind dagegen alle Formen des persönlichen Angriffs, denen es nicht um sachliche Kritik geht, sondern darum, Amtsträger persönlich zu diffamieren oder zu schädigen. Hier erleben wir momentan einen gesellschaftlichen Klimawandel, der äußerst bedenklich ist. Der traurige Tiefpunkt diesbezüglich war im vergangenen Jahr die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke. 

Gibt es etwas, das besser lief als erwartet?

Ein unverbrüchlicher Optimismus gehört fest zu unserem Biberacher „way of life“. Insofern rechnen wir immer mit dem Besten. 

Gibt es etwas, das eher schief gelaufen ist?

Einige Bauprojekte, mit denen wir gerne schon in diesem Jahr begonnen hätten, haben sich aus unterschiedlichen Gründen verzögert, insbesondere auch wegen der derzeitigen massiven Kostensteigerungen im Bausektor. Daher war das Jahr 2019 in Biberach ein Jahr ohne „große Spatenstiche“. 

Was kann der Landrat für Sie und die Stadt tun? 

Die Stadt Biberach arbeitet sehr gut und professionell mit dem Landkreis Biberach und damit auch mit dessen Landrat zusammen. Seit meiner Wahl in den Kreistag in diesem Jahr setze ich mich gerne auch auf dieser Ebene für die Belange der Stadt Biberach und ihrer Bürgerinnen und Bürger ein. Mein Credo dabei: Wenn es der Stadt Biberach gut geht, dann geht es auch dem Landkreis gut. 

Was könnte der Ministerpräsident für die Stadt tun?   

Spontan würde ich sagen: Er könnte uns im kommenden Jahr zu unserem Biberach Schützenfest wieder einmal die Ehre geben. Damit würde er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er täte uns etwas Gutes – und sich selbst gleich mit. 

Was steht 2020 Wichtiges an?  

Nachdem 2019 ein Jahr ohne „große Spatenstiche“ war, wird 2020 ein Jahr der Spatenstiche werden: Wir werden mit dem Bau des ITZ Plus beginnen können, das wir gemeinsam mit der IHK, dem Landkreis und der Hochschule auf den Weg gebracht haben – ein echtes Leuchtturmprojekt, das insbesondere auch Start-ups fördern soll. Auch der Neubau der Mali-Turnhalle steht im kommenden Jahr an, ebenso wie der Baubeginn unseres neuen sechsgruppigen Kindergartens Hauderboschen.

Uli Landthaler