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Das Wetter frisch vom Dach

Das Wetter frisch vom Dach
Das Wetter-Team von Roland Roth (links mit Eintracht-Frankfurt-Fan-Schal) kann immer Verstärkung brauchen. (Foto: Ula)

Wenn sich Ihr Nachbar plötzlich eine Metallstange, ein trichterförmiges Hütchen und andere technische Gerätschaften aufs Dach stellt, muss das kein Lauschangriff sein. Vielmehr will er uns allen etwas Gutes tun: Er ist einer der über 70 Helfer, die eine Mess-Station der Wetterwarte Süd betreiben. Der ehrenamtlich organisierte Verein unterhält zwischen Alb, Allgäu und Bodensee zahlreiche Stationen zur Wetterbeobachtung und zur Messung von Niederschlagsmengen. 

Total ausgebucht Hierzu haben zum Beispiel über 100 Menschen ein kleines Plastikgefäß, eine Art Pinkelbecher, im Garten oder auf dem Balkon stehen, im dem sie auffangen und messen, was Petrus auf uns niederkommen lässt – das Ergebnis melden sie jeden Morgen per Smartphone an die Zentrale in Bad Schussenried.Und wer ein richtiger Wetterwart sein will, installiert sich eine mehrere tausend Euro teure Messstation auf dem Dach, die mit Windrad, Regentrichter, Temperaturfühler sowie angeschlossenem PC die Wetterdaten vollautomatisch an die Zentrale  übermittelt. Die bereitet sie auf und stellt sie online.

Und so ein Wetterwart muss sich bisweilen argwöhnischen Fragen der Nachbarn stellen: „Was habt Ihr denn da oben?“Jetzt trafen sich die Hobby-Wetterfrösche wieder zu ihrer jährlichen Zusammenkunft am Vereinssitz in Bad Schussenried, um sich im Bierkrugstadel von Anführer Roland Roth und Technik- Experte Timo Riedel über aktuelle Fragen informieren zu lassen. Denn damit die Wetterbeobachtung funktioniert, gibt es wichtige Details zu klären, gerade für den anstehenden Winter: Was ist der Unterschied zwischen Schneehöhe und Niederschlagsmenge? Wie behandelt man einen vereisten Messbecher? Um wieviel Uhr wird abgelesen? 

Bei dem Treffen gab es in einem Punkt Entwarnung von Roland Roth: Auch als längst pensionierter Lehrer habe er noch nicht vor, sich als Anführer der Wetterwarte zurückziehen – und wenn, dann erst, wenn ein Nachfolger gefunden wurde. Einstweilen hält er 80 wetterkundliche Vorträge pro Jahr – mitunter auch vor 1000 Leuten wie neulich in der Ulmer Donauhalle. Und ist damit bis 2024 ausgebucht. Der Verein sucht ständig neue Betreiber von Wetter- und von Niederschlagsmessstationen.

Mehr unter www.wetterwarte-sued.com.       

Uli Landthaler