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Baff von den Doktortiteln

Baff von den Doktortiteln
Jörg Mayerföls (Mitte) mit Jürgen Ott (links) und Vater Franz Mayerföls (rechts) bei einem vergangenen Fuhrmannstag. (Foto: MK)

Wolfgang Mayerföls ist ein Tau-sendsassa wenn es um das Ver-einsleben in Bad Schussenried geht. Viele Festbesucher aus nah und fern erleben ihn als kenntnisreichen, wortwitzigen Moderator des Schussenrieder Fuhrmannstages. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

BAD SCHUSSENRIED – Herr Mayerföls, sie gelten ja als richtiger „Vereinsmeier“, wo mischen sie überall mit?

Oh je, wo soll ich anfangen. Als Mitglied bin ich auch beim Reitverein, der Blutreitergrup-pe, im Zuchtverein, bei der Narrenzunft und der Magnus-Kommission dabei.

Seit wann sind Sie beim Fuhrmannstag aktiv?

Vom ersten Tag an. Zuerst führte ich bei der Aufstellung der Kutschen Regie. Dann habe ich die Aufgaben von Bruno Porath, Bernd Reichle und meinem Vater übernommen. Seit 15 Jahren moderiere ich die Veranstaltung.

Welches Ereignis hat Sie dabei besonders gefreut?

Eine große Freude war es, dass unser neuer Pfarrer Nicki Schaepen sein Versprechen vom letzten Fuhrmannstag eingelöst hat und schon in diesem Jahr beim Blutritt in Weingarten aktiv dabei war. Er ist ein Pfundskerl, im positiven Sinne.

Welche Verbindung haben Sie zum Pferdesport?

Ich bin Reiter, habe früher als Aktiver an Fahrturnieren teil-genommen und wurde u.a. Vi-zemeister von Baden-Württem-berg. Meine ganze Leidenschaft gilt nun der Zucht.Treten die Kinder auch schon in Ihre Fußstapfen? Unser Felix hat schon erfolg-reich als Fahrer an Turnieren teilgenommen, Victoria reitet und fährt ebenfalls erfolgreich. Beide sind als Fahrer beim Magnusfest und am Fuhrmannstag dabei.

Woher stammt Ihr Wortwitz und die Sprachgewandtheit?

Das wurde mir praktisch ebenso mit in die Wiege gelegt, wie die Bereitschaft, mich in Verei-nen zu engagieren.

Was war Ihr skurrilstes Erlebnis?

Vor 21 Jahren musste ich, weil Bernd Reichle kurzfristig ausfiel, ohne große Vorbereitung die Leonhardi-Prozession in Wei-ßenhorn moderieren. Ich war total baff, wie viele Doktor-Titel ein Theo Waigel und die anderen Großkopferten auf der Ehrentribüne hatten. Die Body-Guards von Waigel meinten zu mir: Der darf nicht auf die Tribüne rauf.

Woher kommt Ihre große Fach-kenntnis beim Fuhrmannstag?

Die Veranstaltung hat einen Hauch Nostalgie, der mich fas-ziniert. Unsere Familie hat ja auch ein Kutschenmuseum in Schussenried. Dazu kenne ich viele Fahrer persönlich.

Victoria fährt ja einen besonderen Wagen?

Ja, die Damen in der Kutsche sind sehr einfallsreich, sie prä-sentieren jedes Jahr etwas Neues. Das zaubert nicht nur den Zuschauern, sondern auch mir ein Lächeln ins Gesicht.

Warum sollten unsere Leser sich unbedingt den Fuhr-mannstag ansehen?

Es zeigt die Geschichte von der Arbeit mit dem Pferd, und zwar von der Wiege bis zur Bahre. Wenn es pressierte, wurden früher Hebammen mit der Kutsche abgeholt. Die Arbeit in der Landwirtschaft war lange Zeit ohne Pferde kaum denkbar. Auch Reisen über größere Ent-fernungen erfolgten damals mit dem Pferd oder der Kutsche. Der Festzug mit alten landwirt-schaftlichen Geräten, Kutschen aller Art und Verwendungszweck, erlaubt eine Zeitreise durch eine Epoche, die ohne Hilfe und Arbeit des Pferdes so nicht denkbar gewesen wäre.

Maximilian Kohler