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Von der Straße weg

Alexander Schmitt war bis zum vergangenen Winter obdachlos. Mit Hilfe von „Werde dein eigener Alltagsheld“ will er wieder auf einen geraden Lebensweg fi nden. Sozialarbeiterin Gabriele Weiß unterstützt ihn dabei (Foto: Christina Benz)

Alexander Schmitt, 53, nahm die Hilfe von „Werde dein eige-ner Alltagsheld“ an und schaffte es auf den Rückweg in ein geregeltes Leben.

Wie wird man obdachlos?

Mein Arbeitsplatz war an meine Wohnung gebunden. Als ich arbeitslos war, stand ich auf der Straße.Warum haben Sie sich damals keine Hilfe geholt?Aus Stolz. Vielleicht war es auch die Scham vor meinen Kindern, Eltern und Freunden. Ich wollte ihnen nicht zeigen, wie ich le-ben muss. Generell hatte ich es bisher immer vermieden, Hilfe zu suchen oder anzunehmen.

Dann kennen Sie also ein geregeltes Leben?

Ich habe tatsächlich Kinder, hatte eine Lebensgefährtin, Haus und Auto. Ausgebildet bin ich zum Assistenten für Kom-munikationstechnik und arbei-tete in meinem Beruf. Bis zum Bruch mit dem Arbeitgeber.

Wie lebt es sich unter der Schussenbrücke?

Kalt ist es! Man wacht morgens auf, trinkt Kaffee, geht zum Al-kohol über, bis er einen abends einschlafen lässt. Wir waren drei Obdachlose, containerten nach Essbarem. Man kennt sich auf der Straße.

Wann war Ihre Schmerzgrenze erreicht?

Vergangenen Winter hörte ich von „Werde dein eigener Alltagsheld“. Im Aufnahmehaus erhielt ich ein Zimmer und ei-nen Job in der Werkstatt. Nach und nach werde ich wieder in ein geregeltes Arbeitsleben integriert. Wieder voll berufsfähig zu werden und mein Leben in den Griff zu bekommen, ist mein Ziel.

Was lieben Sie am Leben?

Literatur: Gödel, Escher, Bach, der Klassiker auf dem Gebiet selbstbezüglicher Systeme. Und Musik! Bachs Fugen etwa. Und ich liebe es, beschäftigt zu ein.

Christina Benz