Ausgaben

Dornahof: Werde dein eigener Alltagsheld

Dornahof: Werde dein eigener Alltagsheld
Wer hierherkommt (Foto: Christina Benz)

RAVENSBURG/ALTSHAUSENDie Zahl der Obdachlosen in Deutschland wächst. Auch in Ravensburg leben Menschen auf der Straße, wenn man sie auch oft auf den ersten Blick nicht als Wohnungslose er-kennt. Im Dornahof Ravens-burg, dem Württemberger Hof, erhalten sie landkreis-fi nanziert professionelle Be-gleitung bei ihrer sozialen Integration.Vor einem Jahr wurde von der Vereinigung „Leuchttürme Oberschwabens“ ein Wettbe-werb für soziales Engagement ausgeschrieben.

„Gemeinsam mit unserem damaligen Praktikanten Martin Weißhaar er-arbeiteten wir im Team unsere Intitiative ‚Werde dein eigener Alltagsheld‘“, erzählt Gabriele Weiß, Sozialarbeiterin und Ab-teilungsleiterin im Dornahof Ravensburg. Inhalt ist ein niederschwelliges Angebot, um mit Menschen, die von Wohnungsnot betroffen sind, ins Gespräch zu kommen, um sie durch professionel-le Motivation schrittweise in eine geordnete Lebensstruktur zu leiten. „Wir sprechen von Menschen, deren Verlust durch mangelnde Fähigkeiten, die Fi-nanzen zu regeln, einem Beruf nachzugehen, für sich selbst zu sorgen oder durch Sucht verursacht ist.“

Häufig handle es sich um kombinierte Schwie-rigkeiten, die das Leben zusam-menbrechen lassen. „Es kom-men auch junge Menschen zu uns, die in ihrer Familie Struk-turen nicht erlernen konnten oder nach Heimaufenthalten auf sich gestellt waren.“ Wie groß dieser Bedarf ist, zei-gen die Zahlen: „Etwa 50 bis 60 Personen besuchen uns hier täglich. Mitgerechnet die Besu-cher, die nur zur Fachberatung oder zur Ausbezahlung der Grundsicherung kommen, was wir im Auftrag des Jobcenters für Wohnungslose überneh-men“, so Weiß.

Wer das Angebot annimmt, erhält im Dornahof eine An-laufstelle, die Hilfe bietet, wie-der auf die Beine zu kommen, über eine Postadresse zu ver-fügen für Leistungsanträge auf Grundsicherung und Kranken-kasse, um in ein Arbeitsver-hältnis treten oder auf Woh-nungssuche gehen zu können. „Wir sind mit den Behörden gut vernetzt“, erklärt Weiß. Auch mit potentiellen Vermie-tern, die einfache, bezahlbare Zimmer zur Verfügung stellen, pflegt der Dornahof Kontakt. „Hat man einmal die Wohnung verloren, gestaltet es sich ohne geregeltes Leben sehr schwer, wieder in ein Mietverhältnis zu treten“, so Weiß. Nicht allein die hohen Mietpreise in der Stadt, sondern die fehlende Konkurrenzfähigkeit gegenüber sozial gut integrierten Menschen, erschwere es ihren Klienten, wieder in ein Mietverhältnis zu treten.

„Für vorübergehende Unterbrin-gungen verfügen wir über ein Aufnahmehaus und ein Träger-system für betreutes Wohnen, falls erforderlich“, so Weiß. Zunächst werden die Menschen an eine geregelte Lebenssitua-tion herangeführt und über die Fachberatungsstelle geklärt, ob das Angebot individuell ausreichend ist. „Menschen mit Lebensschwierigkeiten durch psychische Erkrankungen oder Sucht vermitteln wir an die entsprechenden Einrichtungen.“ Alle anderen erhalten neben der Möglichkeit, sich im Würt-temberger Hof tagsüber aufzuhalten, eine schrittweise Reintegration in den Arbeitsalltag. „Hält sich jemand täglich bei uns auf, kann man besser erkennen, wo der Hilfebedarf ist“, sagt Weiß.

In ehrenamtlicher Unterstüt-zung finden auch Weihnachts-feiern am Heiligen Abend statt und manchmal Sonntagsfrühstücke. „Für den Mittagstisch bringt aktuell eine Ehrenamt-liche, was sie zu Hause vorgekocht hat. Im Sommer veranstalten wir ein Grillfest.“ Dies ist die eine Seite der sozialen Wiedereingliederung. Die andere Seite ist die Reintegration in den Berufsalltag, etwa der Ein-Euro-Job in der haus-eigenen Werkstatt. „Wer zu uns kommt, ist bereit, wieder ins Leben zurückzufi nden. Dazu zählt Selbstmotivation und der Wille wieder auf die Beine zu kommen. Wir können nur Hilfe zur Selbsthilfe geben“, so Weiß.Weitere Infos unter: www.dornahof.de

Christina Benz