Wenn sich die Bad Saulgauer Innenstadt am kommenden Samstag, 21. September wieder in einen einzigen riesigen Flohmarkt verwandelt, wird es Herbst. Ab 6 Uhr werden die ersten Händler ihre Stände aufbauen. Alle rund 450 Plätze sind belegt. Der Bad Saulgauer Flohmarkt mit Krämern und Scherenschleifern zählt zu einem der größten im Umkreis und wird zweimal […]" />
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Die Flöhe kommen aus Frankreich

Nostalgisches gibt es auf dem Bad Saulgauer Flohmarkt. (FOTO: TBG)

Wenn sich die Bad Saulgauer Innenstadt am kommenden Samstag, 21. September wieder in einen einzigen riesigen Flohmarkt verwandelt, wird es Herbst. Ab 6 Uhr werden die ersten Händler ihre Stände aufbauen. Alle rund 450 Plätze sind belegt. Der Bad Saulgauer Flohmarkt mit Krämern und Scherenschleifern zählt zu einem der größten im Umkreis und wird zweimal im Jahr von der Tourismusbetriebsgesellschaft organisiert.

Mit den Händlern, die sich im Morgengrauen an die Auslegung ihres Trödels machen, kommen auch die ersten Schnäppchenjäger, um noch vor Beginn um 8 Uhr das eine oder andere kostbare Stück zu ergattern. Mehrere Vereine und Schulklassen haben sich ebenfalls angemeldet, um mit ihrem Verkaufserlös ihre Kassen aufzubessern. Flohmärkte rufen zwiegespaltene Haltungen hervor. Die einen sind die Sammler, die sich auf die Suche nach Raritäten machen, deren Wert oft ihrem vorherigen Besitzer verborgen geblieben war.

Die andern würden niemals abgelegte und benutzte Gegenstände in ihren Haushalt aufnehmen und machen einen Bogen um die Flohmärkte. Die dritte Gruppe sind jene dazwischen: Sie fl anieren gerne über die nostalgisch anmutenden Plätze und erwerben dort einen Hauch Romantik für ihren Alltag. Zahlreiche Mythen und Sagen ranken sich um die altverstaubten Trödelplätze. Von geheimen Schatztruhen, derer so mancher Besucher schon fündig wurde, Glücksbringer, deren ursprünglicher Besitzer sich als der eigene Urahne herausstellte, überreicht von Händlern, die nach der Übergabe sich vor den Augen in Luft auflösten.

Woher kommen diese Märchen? Alten Gegenständen haftet oftmals ein Zauber an, der sich aus ihrer Gebrauchsgeschichte entfaltet, die manchmal Rätsel und manchmal Fragen aufwirft. Keine Frage allerdings ist, dass die ersten Flohmärkte im 19. Jahrhundert in Paris veranstaltet wurden. Bedürftige Menschen erwarben dort die abgelegten Kleider der Adligen. Da es damals mit der Hygiene noch nicht zum Besten stand, wird sich der ein oder andere „Hausjuck“ darin gefunden haben. Lassen Sie sich aber von mir keinen Floh ins Ohr setzen: Der Bad Saulgauer Flohmarkt führt nur astreine Ware. Märchenhaft!

Christina Maria Benz