• RSS Feed
  • Facebook
  • Twitter
Ravensburg
 >  Lokales > 
18.05.2017

Wenn eine Kuh rot sieht

Kühe sind in aller Regel friedlich. Respekt ist dennoch immer angebracht. Foto: Viola Krauss

Weidende Kühe gehören zur Ferienregion Allgäu-Oberschwaben wie Kaffee zum Frühstück. Doch nach dem folgenschweren Angriff einer trächtigen Kuh auf zwei Wanderer hat die Postkarten-Idylle einen Riss. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft Ravensburg.

Wangen / Region – Wangens Gästeamtsleiterin Belinda Unger ist sich der Aufmerksamkeit anderer Touristikfachleute für die nächsten Monate sicher: „Es gibt in der Region etliche Wanderwege, die durch Kuhweiden führen. Und es gibt bislang kein Gerichtsurteil, das klärt, wer im Falle eines solchen Unfalls haftet.“ Klar ist nur, dass die Stadt Wangen als Betreiber des Wanderweges die Verkehrssicherungspflicht auch für den Weidenabschnitt übernommen hat. Die Polizei hat den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Sie soll prüfen, ob die Stadt Sorgfaltspflichten verletzt hat. 

Was passiert ist: Auf einem ausgewiesenen Rundwanderweg, der bei Wangen durch eine Kuhweide führt, sind jüngst Wanderer zwei Mal nacheinander von einer trächtigen Kuh angegriffen worden. Beide mussten danach ins Krankenhaus. Einer der Angegriffenen erlitt so schwere Verletzungen, dass er operiert werden musste.

„Seit rund 40 Jahren gibt es diesen beliebten Wanderweg. Er hat zwar nicht immer durch eine Weide geführt, doch seit er das tut, ist noch nie etwas passiert – obwohl Jahr für Jahr Hunderte von Wanderern dort unterwegs sind“, erklärt Belinda Unger. 

Die wildgewordene Kuh ist direkt nach dem zweiten Unfall von der Weide genommen worden, die Polizei hatte den  Schleusenzugang über die Weide für ein paar Tage mit Flatterband gesperrt. Mittlerweile hat der Landwirt den Wanderweg zur Weide hin nochmals abgezäunt.

Kühe sind normalerweise friedliche Tiere. „Wer die Risiken kennt und sich entsprechend verhält (siehe Infokasten), braucht keine Angst vor Kühen zu haben. Respekt  vor einem Tier mit bis zu 500 Kilogramm ist aber immer angebracht“, betont Waldemar Westermeyer, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Allgäu-Oberschwaben und gibt Wanderern untenstehende Tipps mit auf den Weg.

Kuh-Alarm – So verhält man sich richtig

• Nicht mitten durch eine Kuhherde hindurchlaufen

 • Mutterkuhherden nach Möglichkeit immer umgehen, Kälber auf keinen Fall streicheln

• Sich ruhig fortbewegen und Kühe nicht erschrecken

• Hunde anleinen und dafür sorgen, dass sie sich ruhig verhalten

• Auf Drohgebärden achten: Vor einem Angriff senken Kühe meist ihre Köpfe, zeigen die Stirn, schnauben und scharren mit den Hufen

• Bei Drohgebärden umgehend zurückziehen und mit einem Stock durch die Luft schwingen und gegebenenfalls der Kuh damit auf die Nase schlagen oder durch lautes Rufen die Kuh zum Umkehren bewegen

• Im Falle von Drohgebärden oder einem Angriff sollte der Hund abgeleint werden, da dieser schneller ist und er meistens der Grund für die Aggressivität der Kühe ist.

Viola Krauss
v.krauss@wbrv.de