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Ravensburg
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18.05.2017

Verkehrsbefragung mit Hindernissen

So sieht der Fragebogen aus, der am heutigen Donnerstag ausgefüllt werden sollte. Ein Mantelbogen und dazu pro Haushaltsmitglied ein zusätzlicher Bogen. Fotos: Artur Weniger

Wie bewegen wir uns heute? Wie wollen wir uns morgen bewegen? Das sind Fragen, die die Bürger von Ravensburg, Weingarten, Baienfurt, Berg und Baindt beantworten sollen. Denn diese fünf Gemeinden wollen ein gemeinsames Mobilitätskonzept entwickeln, und die Menschen dürfen mitreden.  Deshalb sollte  jetzt ein Fragebogen an 47000 Haushalte verschickt werden, aber das hat nicht geklappt wie geplant. 

Region – „Das wird spannend“, freute sich Ravensburgs Baubürgermeister Dirk Bastin noch vor wenigen Tagen über die kommenden Monate, in denen die Haushaltsbefragung zur Mobilität ausgewertet und Workshops veranstaltet werden sollen. 

Wie spannend, zeigt sich jetzt: Schon die Versendung der Fragebögen hat nicht geklappt. Zumindest in Ravensburg hatten die meisten Haushalte am Mittwoch noch keinen im Kasten – der Stichtag, an dem der Bogen ausgefüllt werden soll, ist aber der heutige Donnerstag, 18. Mai. 

„Das ist maximal ärgerlich“, meint denn auch Bastin. Deshalb rät er: „Notieren Sie sich die Wege, die Sie am Donnerstag zurückgelegt haben. Wir werden dafür sorgen, dass alle Haushalte einen Fragebogen bekommen.“ Wenn der dann da ist, kann man die Notizen nachtragen. Oder man kann sich in jedem Rathaus einen Bogen abholen. 

Rund 40000 Euro haben die fünf Gemeinden alleine für diese Haushaltsbefragung ausgegeben. Viel Geld für nichts? „Wir werden der Sache auf den Grund gehen und die verantwortlichen Verteilerfirmen auch in die Pflicht nehmen“, versichert Bastin. 

Ein weiteres Problem, das viele Bürger von der Beantwortung abhalten wird: Der Umschlag muss mit 1,45 Euro freigemacht werden. Wem das zu viel Geld ist, der kann ihn bei seinem Rathaus einwerfen. 

Die Nachbargemeinden sind bei dem rund 16-monatigen Projekt mit im Boot, denn sie sind von den Verkehrsströmen stark betroffen. Workshops wird es auch mit Senioren und jungen Leuten geben, da diese Bevölkerungsgruppen besondere Mobilitätsbedürfnisse haben. Außerdem wird es eine Unternehmensbefragung geben, die Einpendler spielen im Verkehr des Schussentals eine große Rolle. 

Das Büro Green City Projekt aus München wird bis Herbst 2018 alle Veranstaltungen und Befragungen durchführen und die Daten dann auswerten, die rund 400000 Euro Gesamtkosten tragen die beteiligten Gemeinden gemeinsam. Bleibt zu hoffen, dass die anderen Bausteine des Projekts besser laufen – sonst wurde eine echte Chance verspielt und viel Geld verschwendet.

Kommentar: Richtig blöd gelaufen!

Fünf Gemeinden haben sich unter der Federführung der Ravensburger zusammengetan, um einen neuen Verkehrsentwicklungsplan zu erstellen. Hört sich staubtrocken an, ist allerdings eine wirklich spannende Sache: Die Mobilität der Zukunft wird mit solchen Plänen gestaltet, und wir dürfen mitreden. Wie wir uns also 2030 im Schussental bewegen, ob wir vielleicht mit einer Straßenbahn von Ravensburg über Weingarten bis ins Baienfurter Waldbad fahren können oder ob es einen öffentlichen Nahverkehr gibt, der so günstig ist, dass man das Auto gerne stehen lässt, darauf haben wir mit diesem Projekt Einfluss. Zuerst soll der Bürger einen Fragebogen ausfüllen, geplant war, rund 47000 Haushalten einen zuzustellen. Kostenpunkt: Etwa 40000 Euro.  Die Projektverantwortlichen rechnen optimistisch mit einem Rücklauf von 20 %, heißt: Maximal 10000 Antworten. Das ist schon wenig. Aber jetzt holpert die Umfrage total: Stichtag wäre der heutige Donnerstag, die meisten Ravensburger Haushalte haben noch gar keinen Fragebogen. Außerdem muss das Antwortcouvert mit 1,45 Euro frankiert werden. Da werden nicht allzu viele antworten. Deshalb leider wieder mal: Gut gemeint, aber richtig blöd gelaufen!

Was meinen Sie? 

Karin Boukaboub
redaktion.rv@wbrv.de