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Ravensburg
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16.02.2012

Statt Tatort gucken legt dieser Mann lieber Spuren

Damit Langläufer tagsüber die weiße Pracht genießen können, macht sich Joachim Bitschnau oft auch nachts auf die Piste Foto: KRÄNZLE

Der Schnee ist sein Reich: Joachim Bitschnau spurt Loipen. Für Skilangläufer und Skater. Das ist gar nicht so einfach, denn der Job ist eine Art angewandte Relativitätstheorie.

LINDENBERG – Joachim Bitschnau hat ein entspanntes Verhältnis zu Frau Holle. Das liegt vor allem an seiner Flexibilität. Denn wann immer die Herrin der Federbetten es gebietet, steigt der Landwirt nach der Stallarbeit eben nicht in die Hauspantoffeln, sondern aufs Spurgerät. Anstatt „Tatort“ oder „Sportschau“ sieht er dann: Langlaufloipen. Bitschnau ist verantwortlich für die Pflege des Lindenberger Langlaufnetzes.

In diesem Job gilt eine ganz besondere Relativitätstheorie: Ab zehn Zentimeter Neuschnee, meint der Landwirt, mache er sich ans Werk, doch im Wald brauche es dafür mehr Schnee. Außerdem käme es auf dessen Beschaffenheit an: „Zehn Zentimeter Pulverschnee sind etwas anders als zehn Zentimeter Nassschnee.“ Versucht er bei zu wenig Unterlage zu spuren, beschädigt er den Boden. Wobei Skating-Loipen generell weniger weiße Pracht erfordern als klassische Spuren. Die benötigen aber mehr Platz. „Im Wald kann ich sie nicht überall ziehen“, sagt Bitschnau.

Wenn es nicht schneit und wie in den letzten Wochen sehr kalt ist, muss der Loipenspurer sein „Reich“ nicht täglich abfahren. Unumstößlich ist das aber nicht. „Es kommt darauf an, wie die Loipen sich entwickeln, ob sich beispielsweise viel Triebschnee bildet. Das entscheide ich von Fall zu Fall.“

Weniger Entscheidungsfreiheit hat Bitschnau, der den Job im Auftrag der Stadt Lindenberg macht, wenn „so an richtiger Schnee kommt“. Schon ab zwei, drei Zentimetern gilt es, die ganzen 30 Kilometer neu zu spuren. „Die Loipe darf möglichst nicht zuschneien, sonst komme ich kaum mehr durch“, sagt Bitschnau. 6,5 Stunden dauert eine Runde. Im Normalfall fährt er gleich morgens um 8 Uhr los. Aber, man ahnt es schon, auch das ist relativ. Wenn es beispielsweise nach einem schneereichen Tag abends aufklart, erklimmt Bitschnau erneut das Spurfahrzeug. „Wenn ich nachts auf Neuschnee fahre, kann die Loipe schön anfrieren, dann hält sie länger.“

Schlecht sei es dagegen, wenn es lange nicht schneit, die Loipe tagsüber auftaut und nachts zu Eis gefriert. „Da kann ich gar nichts mehr machen“, sagt Bitschnau. In diesem Fall wird sogar seine Hoffnung auf Frau Holle relativ. Statt Neuschnee wünscht er sich manchmal aber auch einfach: den Frühling.