„So ein Bad ist ein Luxus“

Das Jordanbad in Biberach strahlt mit guten Besucherzahlen. Doch das Geschäft ist hart Foto: jordanbad
Der Südwesten ist gepflastert mit Thermal- und Freizeitbädern. Allein zehn werben im WOCHENBLATT-Verbreitungsgebiet zwischen Schwarzwald, Alb und Bodensee um die Besucher. Für manche Betreiber ist es ein Draufzahlgeschäft. Wir sprachen mit einem Manager über die Kunst, mit dem Bad nicht baden zu gehen.
region – Fröhliche Kinder auf der Spaßbad-Rutsche sind die eine Seite. Die andere: Rausschmiss des Investors in Friedrichshafen, wo die Colani-Therme begraben wurde, und in Ulm, wo man den „Atlantis“-Betreiber hinaus klagte. Und nun die Insolvenz in Aulendorf: Dramen in der Führungsetage, weil die Zahlen nicht stimmen.
Wie eine friedliche Insel in rauer See wirkt das Biberacher Jordanbad, von dem fast nur Positivmeldungen kursieren. Doch Vorstand Matthias Ruf relativiert: „Wir haben pro Jahr 360 000 Besucher. Schon 1000 weniger merke ich in der Bilanz“. Ruf macht klar: So ein Bad ist ein Zuschussbetrieb, der sich nur über Umwege rentiert.
Sein Jordanbad hat eine Sonderstellung. Das traditionsreiche frühere Kurbad gehört zur katholischen St. Elisabeth-Stiftung in Bad Waldsee. Sie stand vor 15 Jahren vor der Wahl, das hundert Jahre alte Kneipp-Heilbad dicht zu machen oder als runderneuerten Wellness-Tempel ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Jetzt stürzen sich Kids auf der quietschgelben Wasserrutsche ins Spaßbecken, nebenan aalen sich Senioren im Solebad, Physiotherapeuten bieten ihre Dienste an.
Hotel liefert Badegäste
Das Bad ist voll, aber schwarze Zahlen gibt es nur mit Hilfe des angeschlossenen Parkhotels. Kongresse mit Wasseranschluss und Wellness-Wochenenden mit Bett, Bad und Ayurverdabehandlung: Erst diese Kombination ergibt ein rentables Ganzes.
Mit die größte Last für ein Bad sind die Energiekosten. Dabei hat das Jordanbad eine Thermalquelle, deren 40 Grad heißes Wasser sogar per Wärmetauscher abgekühlt werden muss. „Trotzdem müssen wir Energie zukaufen.“ Die Insolvenz im benachbarten Aulendorfer Bad liege daran, dass der Thermalbrunnen der Stadt gehört, die in ihrer Finanznot den Wasserpreis stark angehoben hat. Ruf hingegen kann sogar investieren, um sein Biberacher Bad mit einem Blockheizkraftwerk unabhängiger zu machen.
Teure Technik
Nächster Kostenfaktor: Die Technik. In den Katakomben arbeitet ein komplexes System an Behältern, Leitungen, Pumpen, Filtern und Messgeräten zur Wasseraufbereitung und muss teuer in Schuss gehalten werden. Auch rund ums Becken muss man investieren, alle paar Jahre sollte eine neue Attraktion her.
Und dann die Mitarbeiter. „Ein Bad ist personalintensiv“. Es braucht Bademeister, Techniker, Putzkräfte, Aufsichten, Kassen- und Thekenpersonal, Verwaltungsleute. „Die sind jung, qualifiziert und flexibel. Wenn sie schlecht bezahlt sind oder anderweitig unzufrieden, wechseln sie in ein anderes Bad“.
Auf der anderen Seite sind die Einnahmequellen begrenzt. Die Preise müssen familienfreundlich sein, üblich ist die Quersubventionierung durch Gastronomie, angeschlossene Kureinrichtungen und Hotels – oder durch Steuergelder.
Kein Geld für Colani
Warum gibt es dann überall Freizeitbäder? „Sie sind von der Kommunalpolitik gewollt. Als Investition in die Infrastruktur, um als Region für Touristen und Bewohner attraktiv zu bleiben“. Und so konkurrieren am Bodensee zwei Thermen in Überlingen und Meersburg in direkter Nachbarschaft.
So erklärt sich auch, warum sich für das geplatzte Thermalbad-Projekt in Friedrichshafen-Fischbach offenkundig keine Geldgeber fanden. „In der Gegend gibt es zwar noch keine andere Therme, man hätte mit dem Colani-Design gepunktet und das Grundstück am See wäre von der Stadt gekommen“, zählt Ruf die Pro-Argumente auf. Trotzdem: „Es hätte uns gewundert.“ Ruf: „So ein Bad ist ein Luxus. Wenn ich vor der Entscheidung stünde, eines zu bauen, würde ich verzichten.“



