„Fasnet ist eine harte Nummer“
Sie ist ein Kind des Kölner Karnevals: Sabine Becker. Heute wird die Überlinger Oberbürgermeisterin nach allen Regeln alemannischer Narretei entmachtet. Generalstabsmäßig läuft da nichts: Was Fasnacht betrifft, ist Frau Becker schließlich mit allen Wassern gewaschen. Dennoch sieht sie sich närrisch voll integriert.
K Frau Becker, heute werden Sie entmachtet . . .
Sabine Becker: . . . warten wir‘s ab, ob die das schaffen.
K Sind Sie den Narren denn schon jemals entkommen?
Nein, trotz aller List nicht wirklich. Zu Beginn meiner Amtszeit fand die Entmachtung ja nicht im Rathaus statt – mit Rücksicht auf das historische Gebäude. Die Narren haben mich im Seniorenheim Franziskus aufgespürt und an ein Bett gefesselt. Aber ich habe dann eingeführt, dass der Schultes wieder im Rathaus entmachtet wird, wie es sich gehört. Sie müssen wissen: Ich bin in der Fasnachtshochburg Köln geboren.
K Stürzen Sie sich ins närrische Getümmel oder arbeiten Sie klammheimlich weiter?
Das fällt mir überhaupt nicht ein. Da wartet ein anspruchsvolles Programm auf mich, jeder Tag ist durchgetaktet. Manchmal denke ich: Hoffentlich halt‘ ich das durch. Zum Beispiel der Frühschoppen der Dorfer, der ist für mich immer eine harte Nummer. Da sind nur Männer. Und Most trinken ist nicht meine Sache. Da muss man richtig kämpfen für ein anderes Getränk.
K Also ist Fasnet auch Dienstpflicht?
Ich find‘ es schwierig zu sagen: das ist Pflicht. Ich steh‘ nicht dienstverpflichtet am Straßenrand. Ich bin mit Freude dabei. Aber klammheimlich arbeiten – was ist das denn?
K Das ist schwäbisch. Sie füllen für die närrischen Tage aber keinen Urlaubsschein aus?
Nein.
K Wo sind Sie eher zuhause: im rheinischen Karneval oder in der alemannischen Fasnet?
Was hier in den Gassen abläuft, danach sehnt sich der Kölner zurück: um die Häuser ziehen, Lokalkolorit. Der Kölner Karneval ist mir mittlerweile zu touristisch. Allerdings wird dort viel mehr gesungen, und bei den Umzügen werden viel Kamelle geschmissen. Deshalb schmeiß‘ ich auch hier jede Menge Kamelle, selbst wenn ich damit aus der Reihe tanze. Ich fühl‘ mich hier nämlich ganz zuhause. baf





