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Ravensburg
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18.05.2017

Die Opels mit dem Kult-Faktor

„Nur fliegen ist schöner“, bewarb Opel seinen GT vor 50 Jahren.

Siegfried Prawatschke findet das auch. Fotos: Uli Landthaler

Ruth Prawatschke im Opel Rekord von 1960: So mager die Ausstattung auch war, die Klorolle durfte nicht fehlen. Damals gab‘s keine Toiletten an der Autobahn.

Oberschwaben ist Oldtimer-Land.  Zur Klassikwelt-Messe am Wochenende in Friedrichshafen rollen sie zu Tausenden.  Mit dabei: der frisch renovierte Opel GT 1900 von Siegfried Prawatschke aus Markdorf. Ein Besuch bei einer Schrauberfamilie.  

Markdorf – „Haben Sie Angst vor Kurven?“ Noch ehe man antworten kann, drückt Siegfried Prawatschke aufs Gaspedal. Mit einem brummenden Rauschen bringt der Motor seine 90 PS auf Trab, mit Karacho geht es es durch den Kreisverker und die kurvige Landstraße hoch in Richtung Bodensee.

„Eine Straßenlage wie ein Gokart“, strahlt Opel GT-Dompteur Prawatschke hinter seiner Sonnenbrille und kurbelt am Holzl enkrad. Man sitzt ganz tief  mit ausgedreckten Beinen auf dem Beifahrersitz und kann sich vorstellen, wie das damals war im Jahr 1969, als sich die Beifahrerinnen in dem flachen Silberling mit den Klappscheinwerfern wer weiß wohin befördern ließen. Prawatschke hat den GT selber auf Vordermann  gebracht, er steht da wie frisch aus dem Ei gepellt und wird  bei der Messe den Stand des Opel GT-Club Zollern-Alb bereichern.

Vor solchen Messen hat der gelernte Feinwerkmechaniker, der fürs Hobby auch noch  KFZ-Mechaniker lernte, immer die Qual der Wahl. Was mitnehmen? Den  1983er-Ford Capri des Sohnes? Den giftgrünen Kult-Manta vom anderen Sohn? Den schnittigen Austin Healy, Baujahr 1959? Oder vielleicht das „Opele“ von Ehefrau Ruth? Den Rekord 1200 hat Opel 1960 als Käfer-Konkurrent auf den Markt gebracht, erzählt Prawatschke. Das knuffige Auto mit seinen dunkelblauen Rundungen, Lenkradschaltung und gehäkelter Klorollen-Hülle auf der Hutablage ist ja auch ein Hingucker.  Und mit seinen braven  40 PS immer passend für eine beschauliche Sonntagsausfahrt auf die Alb. Zur Messe mit kommt aber diesmal sein zehn Jahre jüngerer Bruder – der Opel GT war der Sportwagen für den  kleinen Mann auf deutschen Straßen, der Corvette des US-Mutterkonzerns GM nachempfunden. 

Prawatschki hat ihn zerlegt in Kisten verpackt bekommen und in seiner Werkstatt-Garage restauriert. Durchgerostete Blechteile muss man sich selber zurechtklopfen, Ersatzteile gibt es auf dem Gebrauchtmarkt oder bei Händlern, die sich darauf spezialisiert und die Produktionsanlagen der Hersteller aufgekauft haben.

Ansonsten braucht es Know how, Geschick, Tüftlergeist, einen Etat („eine Lichtmaschine kostet 170 Euro“) – und viel Zeit nach Feierabend. „Mich finden Sie in keiner Wirtschaft“. Und dann? Der reine Spaß beim Fahren. Die Prawatschkes behalten ihre Autos alle selber. Und  freuen sich, wenn sie auf der Straße den einen oder anderen bewundernden Blick auf sich  ziehen. Gerne sind sie bei Benefiz-Oldtimertreffen dabei, wo die Besucher gegen Spende eine Runde mitfahren  können. 

Bei der Messe in Friedrichshafen bleibt der GT am Stand in der Halle A5 stehen. Reinsitzen ist nach Absprache erlaubt. Was den Oldtimer-Besitzer stört: „Wenn die Leute mit der Handtasche daran vorbeischrammen“.

Die Klassikwelt Bodensee läuft  von Freitag, 19., bis Sonntag, 21. Mai, in der Messe Friedrichshafen und hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Vertreten sind 800 Aussteller rund ums Thema Oldtimer, Zubehör und Teile. Auf dem Messerundkurs gibt es ständig Vorführungen.Online: www.klassikwelt-bodensee.de

Uli Landthaler
redaktion.fn@wbrv.de