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Ravensburg
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20.04.2017

Der schnellste Pfarrer im Land

Christof Mayer ist seit 24 Jahren leidenschaftlicher Motorradfahrer und Priester. Foto: Mayer

Zehn Pfarreien und eine 180 PS-Maschine: Das sind die Lieblinge von Christof Mayer, dem  Pfarrer von Altshausen. Dem WOCHENBLATT erzählt er, wie er Beruf und Privatleben unter einen Helm bekommt und warum er sein Hobby ganz und gar nicht ungewöhnlich findet.

Altshausen – „Ich brauche das irgendwie“, sagt der 50-Jährige, „wenn ich auf dem Bike sitze, kann ich alle Sorgen und Ängste vergessen.“ Das Adrenalin und das Gefühl von Freiheit faszinieren ihn. Er liebt diesen Ausgleich zu seinem stressigen Alltag. Vor jeder Fahrt betet er zum heiligen Christophorus – seinem Namenspatron – und während seiner Touren redet er am liebsten mit Gott. Was der wohl dazu sagt? „Gott sieht mich und weiß ja, dass ich Motorrad fahre“, sagt Mayer, „ich glaube, es amüsiert ihn.“ Einen Himmel ohne Motorrad – das kann er sich ohnehin nicht vorstellen. 

Ein zweirädriges Biest wie die Yamaha R1 zu besitzen, war stets nur einer der beiden Kindheitsträume von Mayer. Gleichauf war immer der Wunsch, eines Tages Priester zu sein. „Schon bei meiner Kommunion wusste ich, dass ich  Pfarrer werde“, erzählt er. Deshalb entschied er sich auch für ein Gymnasium, das Griechisch und Latein als Fremdsprachen anbot. Nach dem Abitur studierte er Theologie,  wurde nur fünf Jahre später Diakon, dann Priester und schließlich mit 30 Jahren Pfarrer.

Mit dem Antritt des Priesteramtes konnte Mayer auch endlich den Motorrad-Führerschein und seine erste Maschine finanzieren. Damit erfüllten sich vor 24 Jahren beide Lebensträume beinahe zeitgleich.

Zugegeben: Ein Pfarrer auf dem Motorrad mag im ersten Moment etwas ungewöhnlich wirken. Aber warum eigentlich? „Viele Leute haben eine völlig verstaubte Vorstellung von Pfarrern, sie denken, wir müssen spießig und langweilig sein.“

„Die größte Sünde ist das ungelebte Leben“

Solange sein Hobby seine Arbeit als Pfarrer nicht beeinflusst, sieht Mayer kein Problem in seiner rasanten Leidenschaft: „Es ist  doch egal, ob ich auf zwei oder vier Rädern unterwegs bin“, sagt er. Die Tatsache, dass der gebürtige Heilbronner zehn Pfarreien leitet, spricht für sich. Den waghalsigen Sport sieht Mayer nicht als Gegensatz zu seinem Amt. Ganz im Gegenteil sogar:  „Du musst Motorrad fahren, denn die größte Sünde ist das ungelebte Leben“, zitiert Mayer aus dem Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament“ seinen Kollegen Rainer Maria Schießler – ein Pfarrer aus München.

„Wenn du dich danach richtest, was die Leute denken, kannst du nicht leben“, sagt der Biker. Schließlich habe auch er ein Recht auf einige unbeschwerte Lebensstunden. „Vielleicht muss man manche Klischees auch einfach bewusst überwinden“, überlegt er, „um den Leuten zu zeigen: Ich bin auch nur ein Mensch – wie ihr.“

So hat Mayer auch ganz „normale“ Interessen, wie zum Beispiel die Pflege seines großen Gartens mit Pavillon und Brunnen, Besuche bei seinen Nachbarn – einer Flüchtlingsfamilie aus Nigeria – oder Kuscheleinheiten mit seiner geliebten 20-jährigen Katze „Pfötchen“. „Ich kann mit Sicherheit behaupten, dass es mir nie langweilig wird“, lacht der Geistliche.

Außerdem sieht er  in seinem Hobby auch Chancen für seinen Beruf: „Da komm‘ ich auch an Leute ran, die sonst vielleicht nicht in die Kirche gehen.“ Dazu gehören auch viele Motorradfahrer, die ohne Segen keinen Meter fahren wollen. Deshalb vereint er seine Berufungen und macht dieses Jahr zum ersten Mal eine Motorradweihe bei MotoYama in Ravensburg.

Am Samstag, 6. Mai, wird Christof Mayer, der schnellste Pfarrer Oberschwabens, um 13.30 Uhr bei MotoYama in Ravensburg die Motorradfahrer und   ihre Maschinen segnen. Danach geht es im Corso auf eine Spritztour nach Bad Schussenried.

Joy Garcia Oliver
redaktion.rv@wbrv.de