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02.02.2012

Plötzlich krank – und dann? So wird uns im Notfall geholfen

Die leistungsfähigsten Computertomographen stehen in der Kreisklinik Biberach (Foto) und im St. Elisabeth Krankenhaus Ravensburg. Auf dem Bild verrichten MTRA Miriam Müller (l.) und MTRA Daniela Beck ihre Arbeit. Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei. Ein CT wird zur Darstellung von Knochen, Muskeln und inneren Organen verwendet Foto: V. Strohmaier

Landrat Dr. Heiko Schmid: "Die ärztliche Versorgung im Landkreis ist sehr gut"

Ravensburg: Die Oberschwabenklinik bietet ein breites Spektrum an Leistungen. Lediglich zur Behandlung schwerer Verbrennungen, Organverpflanzung und Herzchirurgie wird an Spezialkliniken verwiesen. Beim Hochleistungs-CT gibt es für Notfälle keine und für stationäre Patienten kurze Wartezeiten. In der geriatrischen Reha haben Patienten aus dem Akutbereich keine Wartezeit, für externe Patienten beträgt diese maximal zwei Wochen.

Biberach: Ein akuter Blinddarm oder Leistenbruch wird in der Kreisklinik Biberach natürlich sofort operiert. Bei akuten Herzbeschwerden erfolgt ein Check sofort nach der Aufnahme, hier sind die Ärzte bestens aufgestellt. Ansonsten gibt es eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen. Bei Akutfällen gibt es für ein Hochleistungs-CT und MRT ebenfalls keine Wartezeiten. Bei weniger dringenden Fällen dauert die Wartezeit bis zu zwei Wochen.

Laupheim: Alle gängigen Frakturen bei Kindern und Erwachsenen werden in der Kreisklinik sofort behandelt. Selbstverständlich gibt es keine Wartezeiten bei Schenkelhals- oder Oberschenkelbrüchen oder akuten Blinddarmproblemen. Wer aber einen Herzschrittmacher benötigt, wird an die Kreisklinik Biberach verwiesen. Dort erfolgt eine Notfallbehandlung sofort, ansonsten spätestens innerhalb einer Woche.

Riedlingen: In der Kreisklinik werden rund 200 Leistenbrüche pro Jahr operiert, im akuten Fall sofort. Umfangreiche Bauch- und Unfallchirurgie ohne lange Wartezeiten werden angeboten. Die Klinik für Chirurgie bietet der Bevölkerung ein breites und modernes Spektrum an OP-Techniken. Einen Termin hierfür gibt es innerhalb von zwei Wochen. Patienten, die an schweren Herz-, Leber- und Nierenproblemen leiden, werden an Spezialkliniken verwiesen.

Bad Buchau: Die Federsee-Rehabilitationsklinik hat sich hauptsächlich auf Orthopädie und Rheumatologie spezialisiert. Nach dem Einsatz eines neuen Hüftgelenks oder einem Bandscheibenvorfall werden die Patienten normalerweise direkt vom Akutkrankenhaus mit dem Krankenwagen in die Reha gebracht. Für solche Anschlussbehandlungen gibt es keine Wartezeiten, ansonsten dauert es zwei bis drei Wochen, bis man eine Kur antreten kann.

Aulendorf: Das Parksanatorium ist eine ausschließlich onkologische Rehabilitationseinrichtung und befasst sich mit allen Gebieten der Tumornachsorge. Es gibt für die klassische Behandlung keine Wartezeiten. Bei den so genannten Diagnose bedingten Wartezeiten liegen manchmal zwei bis drei Wochen zwischen Klinikaufenthalt und Reha, damit der Patient soweit stabilisiert wird, um den bestmöglichen Nutzen aus seinem Aufenthalt zu erzielen.

Gesundheit steht mit an erster Stelle, wenn man die Deutschen nach ihren Wünschen fragt. Doch was, wenn der Blinddarm sich entzündet oder das Bein gebrochen ist? Wir haben nachgefragt, wie es mit der zeitnahen Versorgung der Patienten steht.

Oberschwaben

Dies bestätigt auch Landrat Dr. Heiko Schmid, der die medizinische und ärztliche Versorgung im Landkreis als sehr gut bezeichnet. Rein statistisch sei man sogar „überversorgt". Neben dem geplanten Klinikneubau in Biberach sollen die Standorte Riedlingen und Laupheim weiter entwickelt werden. In Ochsenhausen, wo der stationäre Bereich Anfang dieses Jahres geschlossen wurde, sei ein ambulantes Gesundheitszentrum geplant. Notfälle aus Ochsenhausen müssen derzeit nach Biberach oder ins benachbarte Illertal. Probleme gäbe es im Raum Bad Schussenried, dort solle eine Regio-Praxis Abhilfe schaffen. Wer derzeit am Wochenende in Bad Schussenried an Grippe oder Durchfall erkrankt, muss zum ärztlichen Bereitschaftsdienst an wechselnde Orte und manchmal bis ins 25 Kilometer entfernte Uttenweiler fahren. Ab Anfang April soll der Notdienst mit Bad Buchau und Bad Saulgau zusammengelegt werden. Dann werden Notfälle zentral in Bad Saulgau versorgt.

Nicht nur die Menschen in Bad Schussenried und Ochsenhausen bekommen derzeit die Auswirkungen der aktuellen Gesundheitspolitik zu spüren. Auch der 61jährige Fensterbauer Heiner Suckut, der dem WOCHENBLATT gegenüber berichtet: „Zuerst schmerzte das Knie, dann die Schulter. Dann machte der Rücken Probleme, die Schmerzen strahlten bis in die Beine aus. Mehrere Arztbesuche waren ergebnislos. Ein Bekannter riet mir, zum Rheumatologen zu gehen. Der Anruf beim einzigen Spezialisten in Biberach aber war niederschmetternd: rund drei Monate Wartezeit!"

Derart lange Wartezeiten für eine erstmalige Untersuchung sind auch in Ravensburg üblich. Warum dies so ist, hat uns ein Insider verraten. Vor einigen Jahren habe es eine Rückgabewelle von Zulassungen der orthopädischen Rheumatologen gegeben, weil es sich nicht mehr rechne. Für eine einstündige Frühsprechstunde zur Abklärung der meist aufwendigen Diagnose werde von den Kassen gerade mal ein Betrag von rund dreißig Euro bezahlt, davon müsse der Mediziner dann auch noch Miete, Steuern und Angestelltengehälter bestreiten.

Welche Erfahrungen haben unsere Leser gemacht? Mailen Sie uns: r.halle@wbrv.de

– Gut, ist die einhellige Meinung der befragten Kliniken und Rehazentren. Akutfälle werden umgehend behandelt, bei weniger dringenden Fällen sind zwei bis drei Wochen Wartezeit die Obergrenze.