
Ich war als Journalist eingeladen, mich über Technologien und Vorgehensweisen des Patentpools zu informieren und - gegenebenfalls darüber zu berichten. Berichten darüber, dass das System Patentpool innerhalb der vergangenen acht Jahre entwickelt und im Kreis von Spezialisten ständig optimiert worden sei. Ein umfassendes Netzwerk von Entwicklern, Beratern, Politikern, Wissenschaftlern, Managern, Marketingexperten, Patentanwälten und Vertriebsspezialisten hätten das Potential von Patentpool erkannt und stünden zur Verfügung, um Projekte zu akquirieren, zu prüfen und an deren Marktimplementierung mitzuarbeiten: "Eine vernetzte Company nach modernstem Vorbild."
Diese vernetzte Company nach modernstem Vorbild plant, so erfuhr ich an dem Abend in Weingarten, mit dem Patentpool Technologie Fonds II eine Erhöhung des ihr zur Verfügung stehenden Investitionskapitals, das in attraktive Beteiligungen aus den Bereichen Informationstechnologie, Life Science, Logistik, Umwelttechnonolgie und regenerative Energien fließen soll: "Die Investitionen erfolgen nur in wachstumsstarke Zukunftsmärkte, die wir ethisch und moralisch vertreten können."
Dr. jur. Heiner Pollert und Dipl.-Kfm. Peter Rosenmeyer an der Spitze von Patentpool machten es den eventuellen Anlegern schmackhaft, mindestens 21 000 Euro inklusive Agio in den Patentpool Technologie Fonds II zu investieren. Laufzeit bis 31.12. 2016, Zeichnungsschluss voraussichtlich 31.12. 2006. Geplantes Fondsvolumen 50 Millionen Euro. Unterstützt wurde das Duo in ihen Bemühungen um kapitalkräftige Anleger zum Beispiel von Karl Seitz aus Pflummern, der es Fernsehanstalten bis Ende dieses Jahres ermöglichen will, Auslandsberichterstattungen in sendefähiger Qualität über das Internet zu versenden und zu empfangen und damit 25 Prozent eines 300-Millionen Euro-Marktes (75 Millionen) für Patentpool gewinnen möchte.
Rendite von 120 Prozent
Peter Rosenmeyer, Finanzchef im Hause Patentpool, stellte eine laufende Ausschüttung ab 2009 in Aussicht: "Die Anleger bekommen zudem ihre Einlage zu 100 Prozent zurück und können - sehr, sehr, sehr, sehr konservativ gerechnet - mit einer Rendite von 83,6 Prozent nach Steuern rechnen. Schließlich haben, so der Diplom-Kaufmann, die Erstanleger auch schon mal 28 Prozent Rendite per annum (im Jahr) erhalten, natürlich nach Rückerstattung ihres Gesamtinvestitionsbetrags. Natürlich! 70 Investoren des "RavenPack Trading Tools" seien sogar nach fünf Monaten mit einer Rendite von 50 Prozent ausbezahlt worden. Aufs Jahr hochgerechnet schwindelerregende 120 Prozent.
Weniger schwindelerregend die Aussagen von Felix Becker, der in den Patentpool einen Kompressor einbringt, der nur 70 Prozent der sonst üblichen Energie verbrauchen soll. Claus Schalper dagegen pries wirksame Heilsubstanzen aus Tier- und Pflanzengiften für neue und nebenwirkungsfreie Therapien gegen Krebs, MS, Hepatitis C, Malaria und Aids ("Toximed") vollmundig an (Wunder gibt es anscheinend immer wieder). Faszinierend auch die Idee einer Trinkwassergewinnung zum Beispiel in der Wüste, bei der mobile Containereinheiten im Tag- und Nachtbetrieb zwischen 50 und 750 Liter Trinkwasser pro Stunde durch Ansaugen von Luft aus der Atmosphäre gewinnen könnten ("Wat-air").
Nicht mehr überraschen konnte da die Ankündigung Rosenmeyers fast zum Schluss der Veranstaltung, man arbeite auch noch an einer Creme, mit der man ganz gezielt abnehmen könne. Oder an einem Kondom für Endoskope, das deren schwierige Reinigung überflüssig mache: "Das alles fließt in unsere Patentpool-Pipeline. Wir wollen die Welt retten, Spaß haben und dabei viel verdienen." Fragt sich nur, wer hier verdienen wird.
Erschienen am Donnerstag, 20. Oktober 2005