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City-Guru Christian Klotz im Foyer der Kreissparkasse Biberach: "Die Höhe der Parkgebühren ist wirtschaftlich in Biberach überhaupt kein Thema". Foto: W. Gröner

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Es war aber nicht der Abend des städtischen Biberacher Marketing- und Tourismusbüros ("Sie haben hier nur Schließ- statt Öffnungszeiten") und es war schon gar nicht der Abend der preisgünstigen Discounter auf der sogenannten grünen Wiese ("Wenn wir nur auf den Preis schauen, machen wir alles kaputt"), die Klotz geradezu verteufelte.
Neue Lust auf Innenstadt
Eingeladen zu dem über zweieinhalbstündigen Vortrag des Stadtmarketing - Experten Christian Klotz aus Bad Reichenhall in der Kreissparkasse Biberach hatten die Werbegemeinschaft und die Stadt. Thema des Abends: "Neue Lust auf Innenstadt - Wie wir gemeinsam Biberach noch attraktiver machen können". Der City-Guru ließ dabei nichts aus, Biberach - und sein Bad Reichenhall - bestens darzustellen. Und natürlich sich selbst. Zuerst bemängelte Klotz, dessen hoher Unterhaltungsswert nicht anzuzweifeln ist, zu Recht die vom Schnee schlecht geräumten Straßen und - ebenfalls zu Recht - die fehlenden Hinweisschilder auf die Biberacher Innenstadt. Aber schon im nächsten Atemzug gab sich Klotz wieder versöhnlich: "Biberach ist narrisch gut und unheimlich erfolgreich". Fußgängerzonen sind für den Marketing-Experten in die Jahre gekommen (" 20 Jahre hat man die deutschen Städte beruhigt. Und jetzt sind sie total ruhig. Und die Geschäfte sind draußen"). Und damit war er wieder bei den billigen Discountern: "Auf der grünen Wiese kümmert sich ein Mitarbeiter um tausend Kunden, in der Innenstadt sind?s zehn. Wer beim Discounter einkauft, zerstört also Arbeitsplätze." Und überhaupt: "Geiz ist das Schlimmste, was Ihnen passieren kann", an die Adresse der Einzelhändler, die mit den Spitzen der Stadtverwaltung, Vertretern der Gastronomie und anderen interessierten Zuhörern für ein gut gefülltes Kreissparkassen-Foyer gesorgt hatten.
Parkgebühren kein Thema
Beim Thema Parken vertrat Christian Klotz während seines gut zweieinhalbstündigen Vortrags mehrere Ansichten (siehe auch Kommentar links). Eine seiner Aussagen dazu: "Die Höhe der Parkgebühren ist wirtschaftlich in Biberach überhaupt kein Thema". Um gleich im nächsten Satz hinzuzufügen: "Discounter machen den Wohlstand der Städte kaputt. Anscheinend ist es aber unheimlich schick, mit dem Porsche beim Discounter vorzufahren". Die bewusst überzeichneten Vergleiche des City-Gurus ließen teils nachdenken, teils schmunzeln. Biberach - und natürlich Bad Reichenhall - seien spitze, "deutsche Städte sind zum davonlaufen". Und wieder mit Blick auf seine "geliebten" Discountern: "Würze scharf, fresse schnell und kaufe billig, so geht's nicht". Eine gute Stunde lang setzte sich Christian Klotz mit Biberach als Touristikhochburg auseinander. Dazu vemisse er Schilder, die den Weg in die Innenstadt weisen, ebenso Schilder "Herzlich willkommen" und abends sei in Biberach kein Mensch mehr auf der Straße (Anm. d. Red.: Bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich kaum verwunderlich). Es ging noch weiter: "Beim oberirdischen Parken haben Sie Münchner Verhältnisse, die Einfahrten zu den Tiefgaragen sind nur schwer zu finden und dass die erste Stunde im Parkhaus kostenlos ist, liest man erst beim Verlassen der Tiefgarage". Aber: "Biberach ist außerordentlich schön".
Wegen dieser außerordentlichen Schönheit ("Sie haben hier alles, aber keiner findet's") sollte Biberach, so der City- Guru, alles daran setzen, die Stadt voller Stolz nach außen auch zu verkaufen und das Geld aus dem Tourismus in Kultur zu investieren: "Kultur ist ein gutes Mittel zur Wirtschaftsförderung". Die Lacher hatte Klotz auf seiner Seite, als er den "ehemaligen Kondomapparat" beim Alten Forsthaus anprangerte, aus dem ein Biberach-Prospekt für 50 Cent gezogen werden kann: "Das gibt's nur hier, sonst nirgends". Und das Haus, in dem der Tourismus wohnt ("eine Art Heimatmuseum") - in der Lazarettfarbe taubengraublau! "Tourismus ist grün mit einem "i" für Information". Und letztendlich zum Thema Hotelsuche: "Wer bei Ihnen übernachten darf, muss überdurchschnittlich intelligent sein. Gleiches gelte für die Wirtshäuser. "Sie haben eine gute Gastronomie, aber keiner findet sie".
Zahlen und Fakten
Christian Klotz verkündete auch Zahlen und Fakten.
- "Mehr Verkaufsflächen bedeuten nicht mehr Umsatz, sondern nur eine Verlagerung."
- "Dienstleister gehören in die obere Etage, das Erdgeschoss gehört der Gastronomie und dem Einzelhandel".
- "Haben Sie den Mut, jeden Unternehmer in Ihrer Stadt spinnen zu lassen."
- "Freude darf nicht durch Satzungen des Ordnungsamts verboten werden."
- An die Adresse der Einzelhändler: "Setzen Sie 50 Prozent ihres Marketingbudgets für Werbung in den Printmedien und im Privatradio im Umkreis von 40 Kilometern ein".
- Die Leute wollen heute das Lebensgefühl der Italiener. Setzen Sie Akzente. Mehr Beleuchtung, bis 22.30 Uhr, mehr Musik, mehr Events."
- "Machen Sie neugierig auf Biberach!"
- Und ganz wichtig: "Werbegemeinschaft und "biberCard? sollten sich unbedingt zusammenschließen."
Erschienen am Donnerstag, 18. März 2010