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Neujahrsempfang 2010 der IHK Ulm und Bodensee-Oberschwaben im Kultur- und Kongresszentrum Oberschwaben in Weingarten. In der ersten Reihe hörten ebenso interessiert wie amüsiert, was der Schweizer Bundesrat Moritz Leuenberger über nachbarschaftliche Beziehungen zu erzählen wusste, (v.l.n.r.) die Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle, Brigitte und Jürgen Winterhalter (Ehrenpräsident der IHK Bodensee-Oberschwaben), Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, Sozialministerin Dr. Monika Stolz, Ulrike und Dr. Peter Kulitz, Präsident der IHK Ulm, Heinrich Grieshaber, Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben, Staatssekretär Rudolf Köberle, Otto Julius Maier, Ehrenpräsident der IHK Bodensee-Oberschwaben und Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. Foto: W. Gröner

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Dazu wusste Moritz Leuenberger einiges zu erzählen. So sprach er (historisch betrachtet) von "Kuhschweizern" und "Sauschwaben" als direkte Nachbarn, die angeblich alles können, außer hochdeutsch - und fügte hinzu: "...und vielleicht auch außer englisch". Da Nachbarn sich nicht nur gelegentlich einladen würden und - gehe man zurück bis zu dem Begriff "nahe Bauern" - auch voneinander abhängig seien, gäbe es auch eine Verantwortung füreinander. Keine Frage, so der Bundesrat: "Wir sind alle Nachbarn auf dieser Welt." Und gerade als Nachbarn gelte es, gegenseitig auftretende Schwierigkeiten wie zum Beispiel beim Lärm rund um den Flughafen Zürich nicht zu verdrängen. Eine gemeinsam von beiden Ländern in Auftrag gegebene Lärmanalyse lasse hier auf eine Lösung hoffen.
Eine europäische Lösung müsse auch bei der Lagerung von Atommüll angestrebt werden, so der Festredner. Nationales Stirnrunzeln gäbe es dagegen nach wie vor beim Thema Einwanderer. Diskussionen seien zum diesem Thema durchaus angebracht, "aber anständig müssen sie geführt werden."
Etwas Bedauern war bei dem Schweizer Bundesrat beim Thema Europa herauszuhören. Natürlich wolle die Schweiz an der Architektur Europas teilhaben, auch wenn sie noch nicht EU-Mitglied sei. So ein Beitritt könne auch manchmal ganz schnell gehen, "aber und eher schon noch eine Weile dauern". Kein Interesse habe sein Land dagegen an betrogenen Steuergeldern von außerhalb: "Dafür ist unser Bankgeheimnis nicht da." Die Schweiz sei sich hier ihrer globalen Verantwortung für alle bewusst.
Zum Thema Wertegemeinschaft: "Minarette gibt's in der Schweiz trotz gegenteiligem Bürgerenscheid und wird es auch weiterhin geben. Ebenso hätte man per Bürgervotum Kamele verbieten können."
Respekt sprach aus Moritz Leuenberger für den Afghanistan-Einsatz der Deutschen: "Wir können uns alle aus der Welt nicht ausklinken. Der Frieden ist die wichtigste Infrastruktur für den Handel."
Der Trend zeigt nach oben
Zu Beginn des Neujahrsempfangs sprach der Präsident der IHK Bodensee-Oberschwaben, Heinrich Grieshaber, von einem spürbaren Aufschwung 2010, sah aber noch kein Ende der Durststrecke. Gute Karten gab Grieshaber der Politik, die die Krise mit Besonnenheit angepackt habe. Und mit Blick in die Runde der anwesenden Unternehmer: "Die Wirtschaft muss sich wieder stärker am Prinzip des "Ehrbaren Kaufmanns" orientieren." Schulterklopfen gab's für den Ulmer IHK-Präsidenen Dr. Peter Kulitz mit Seitenblick auf das Jahrhundertprojekt Stuttgart 21: "Der Kampf der Region Ulm mit der IHK war erfolgreich. Wäre dieses Projekt gescheitert, wäre das Land Baden-Württemberg vom Bahnzeitalter abgehängt worden."
Vorschusslorbeeren gab es zum Schluss des IHK-Neujahrsempfangs für den scheidenden Ministerpräsidenten vom Ulmer IHK-Präsidenten Dr. Peter Kulitz: "Die Wirtschaft hat mit Günther Oettinger künftig ein Schwergewicht in Brüssel."
Erschienen am Donnerstag, 04. Februar 2010