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   Titelthema Freitag, 3. September 2010  

Starkes Stück für "Jedermann"


Starkes Stück für "Jedermann"



Respekt vor dieser Theatertruppe: Die Sigmaringendorfer haben den "Jedermann" von den Salzburger Festspielen auf ihre Waldbühne geholt - und aus dem schweren Stoff ein starkes Stück gemacht. Zur Premiere am Samstag gab?s tosenden Applaus. Thomas Kapitel




Rauschendes Bühnen-Fest: Jedermann (Alexander Speh, 2.v.l.) feiert mit seiner Buhlschaft (Birgit Wolf) in lustiger Gesellschaft Foto: Thomas Kapitel

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"Jeeeedermaaann!" schallt es schaurig aus den Kulissen, und der reiche Großbürger spürt den Tod im Nacken: Alexander Speh meisterte seine Unmenge an Sprechtext genauso wie den Auffstieg und Fall seiner tragischen Figur. Ihm zur Seite Armin Sauter als "guter Gesell" - diese beiden haben uns schon als "Don Camillo und Peppone" begeistert.
Der "Jedermann" - ein Stück für jedermann? Sicher ist das keine leichte Komödie. Aber erstens wäre Schillers "Don Carlos" schwerer verdaulich. Zweitens ist der "Jedermann" ein mittelalterliches Moralspiel "fürs Volk", in dem Tugenden und Laster, Gott und Teufel als Figuren auftreten und um eine Seele kämpfen. Das versteht wirklich jeder. Drittens hat ihn Hugo von Hofmannsthal anno 1911 auf die dekadente Geldgesellschaft vor dem 1. Weltkrieg gemünzt, und das passt herrlich in die aktuelle Diskussion über die Ursachen der Finanzkrise: "Jedermann" wäre heute wohl ein windiger Investment-Banker.
Flott inszeniert
Regisseur Joachim Link hat den "Jedermann" zudem sehr flott inszeniert. Mit tollen barocken Kostümen, mit Tanz und Musik, lustigen Szenen und einem stark gespielten Figurenkabinett aus Himmel und Hölle: Tod und Teufel sind richtig heftig; die guten Werke kriechen tragisch im Staub. Und die Buhlschaft - mein lieber Schwan: Birgit Wolf als sündige "Lady in Red" ist ein spielgewaltiger Augenfang.
Die Moral von der Geschicht: Das letzte Hemd hat keine Taschen und Freunde in der Not sind schneller weg als die legendären Würste am Theaterkiosk. Dieser "Jedermann" ist nicht unbedingt was für kleine Kinder (die heulen spätestens, wenn der Teufel loslegt), aber für Erwachsene mit zumindest etwas kultureller Neugier ein gelungener Theaterabend.
Alle WOCHENBLATT-Fotos von der Premiere gibt es im Internet als Bildergalerie unter www.wochenblatt-online.de.

Erschienen am Donnerstag, 09. Juli 2009

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